Eine Architektur, die sich zur Aufgabe macht, öffentliche Parkplätze zu gestalten, muss nicht nur den dienstleistenden Charakter des Bauwerks, sondern auch den städtebaulichen Aspekt des Projektes berücksichtigen.
Es handelt sich bei diesem Vorhaben nämlich um die Gestaltung eines für das Dorf symbolischen Platzes, der bis anhin formal und funktional einer Lösung harrte. Die räumliche Wirkung des Platzes und die Gestaltung der Fassaden des Parkhauses sollen die Frage nach der blossen Nutzniessung übersteigen und eine neue, städtebauliche Komponente einbringen – ein Hauch von Stadt im ländlichen Dorf.
Der bereits bestehende Parkplatz wird durch ein Parkhaus ersetzt. Konkret hervorgehoben wird durch dieses Projekt das Verhältnis des neuen Baus zur angrenzenden Umgebung (davor, dahinter, berg- und talwärts), zur offenen und zur bebauten Landschaft und vor allem zur unmittelbar anschliessenden Dorfsiedlung mit ihrem prominenten Kirchturm, dem örtlichen Bezugspunkt und Identitätsmerkmal schlechthin. Das Gebäude erstreckt sich entlang des Geländeprofils. Die Aussenmauern des Parkhauses nehmen die Linienführung des Hauses und des dazugehörigen Gartens auf und führen diese zu einem trapezförmigen Umriss, der sich nach Süd-Westen hin öffnet, wobei eine der Ecken über dem Abgrund zu liegen kommt. Die Fläche tritt in einen spannungsvollen Dialog mit dem turmartigen Haus beim Dorfeingang, indem sie dessen Figur in einer Umkehrung der Kräfteverhältnisse und Proportionen wiedergibt und so quasi zum Schattenbild des Hauses wird. Auf dem mit Pflastersteinen gepflasterten Dach befindet sich die Postautohaltestelle. Ein leerer Platz, der zum Verweilen und Betrachten einlädt. Diese Art von Piazza ist neu für Soglio. Während der alte Dorfplatz historisch gewachsen ist, wird der neue Platz nach einem städtebaulichen Konzept erstellt. Das Parkhaus versteht sich als eine Variation der historischen Palazzi und Parkanlagen der Salis, die ebenso konzeptionell erdacht wurden. Anders als die ummauerten Gärten erzielt der zur Landschaft hin offene Parkhausplatz eine völlig neue räumliche Wirkung und strömt dadurch eine anziehende Kraft aus. Das Dorf erreicht man über eine Steintreppe entlang der Strssenstützmauer, den Kirchturm immer als Fluchtpunkt vor den Augen. Die nötige Infrastruktur ist in einer Nische der Strassenstützmauer untergebracht. Die drei Fronten des Parkhauses zeichnen sich durch säulenartige Betonpfeiler aus, die dem Gebäude den Anschein eines antiken Peristyls verleihen. Dank dieser architektonischen Eigenheit soll sich das Gebäude von seiner Umwelt ab als solches klar erkennbar sein.
Öffnungszeiten
Samstag + Sonntag
Gemäss Führungen
Reservation erforderlich
Führungen
Führung mit Architekt Armando Ruinelli, Architekt BSA
Treffpunkt: beim Postautowendeplatz
Führungen mit Reservation
Reservationen sind zu diesem Zeitpunkt noch nicht möglich.
Adresse
7610 Soglio
Öffentlicher Verkehr
B 624 bis Soglio, Paese
Spezielles
Hindernisfrei
Fotografieren erlaubt